Griechische Göttinnen: von Gaia bis Athene
25. Oktober 2026

Griechische Göttinnen sind durch literarische und archäologische Zeugnisse bekannt: vor allem durch frühe griechische Dichtung wie die Werke Homers und Hesiods sowie die Homerischen Hymnen, durch spätere Mythographen wie Apollodor und durch die Statuen, Tempel und Inschriften, die für sie geschaffen wurden. Antike griechische Gedichte überliefern Erzählungen über die Götter, bilden aber weder eine einheitliche heilige Schrift noch geben sie die Überzeugungen aller Gläubigen wieder. Dieser Überblick stellt die frühen Göttergenerationen und die olympischen Göttinnen vor, fasst ihre Aufgabenbereiche und römischen Entsprechungen zusammen und verbindet ausgewählte Gestalten mit Skulpturen von Silvia Steiger.
Beim Lesen dieser Quellen gilt es, ihre unterschiedlichen Absichten im Blick zu behalten. Hesiod ordnet göttliche Geburten und Machtkämpfe zu einer Genealogie. Der Homerische Hymnus an Demeter erzählt von Trennung und Wiedervereinigung und endet damit, dass die Göttin ihre Riten lehrt. Eine Statue bietet eine andere Art von Zeugnis: Ihr Material, ihre Datierung und ihre erhaltene Gestalt lassen sich untersuchen, auch wenn ihr ursprünglicher Aufstellungsort oder die Identität ihres Schöpfers ungewiss bleiben. Diese Zeugnisse müssen im Zusammenhang gelesen werden, statt sie als austauschbare Beschreibungen griechischer Glaubensvorstellungen zu behandeln.
Auch innerhalb eines einzigen Gedichts können sich unterschiedliche Antworten finden. Hesiod nennt die Schicksalsgöttinnen unter den Kindern der Nacht und macht sie später zu Töchtern von Zeus und Themis. Beide Stellen gehören zur überlieferten Theogonie. Dieser Überblick nennt deshalb die Quelle, wenn eine bestimmte Fassung von Bedeutung ist. Eine Genealogie ist die Darstellung eines antiken Dichters, kein Stammbaum, über den sich alle griechischen Autoren einig waren. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn spätere römische Nacherzählungen neben früher griechischer Dichtung stehen.
Woher die griechischen Göttinnen stammen
Hesiods Theogonie, die um 700 v. Chr. entstand, erzählt vom Ursprung der Götter: „Wahrlich, zuerst entstand Chaos, danach aber die breitbrüstige Erde“. Die Erde, Gaia, gebiert Ouranos, den Himmel, und mit ihm die Titanen. Die Titanin Rhea gebiert Hestia, Demeter, Hera, Hades, Poseidon und Zeus, und Zeus wird König der Götter. Die meisten der im Folgenden vorgestellten Göttinnen gehören zu dieser Familie.
Die ersten Göttinnen: Gaia und Nyx
Gaia, die Erde, ist bei Hesiod die Mutter des Himmels, der Berge und des Meeres sowie der Titanen und Kyklopen. Der Homerische Hymnus an die Erde preist sie als Mutter aller, die die Lebewesen ernährt. Nyx, die Nacht, geht ebenfalls aus Chaos hervor; Hesiod nennt unter ihren Kindern den Schlaf, den Tod und die Schicksalsgöttinnen. An einer Stelle der Ilias heißt es, dass selbst Zeus sich scheute, sie zu erzürnen.
Die Titaninnen
Zu den Töchtern von Gaia und Ouranos zählen Rhea, Themis, Mnemosyne und Tethys; Leto gehört zur nächsten Generation. Rhea ist die Mutter von Hestia, Demeter, Hera, Hades, Poseidon und Zeus. Sie rettet den neugeborenen Zeus, indem sie Kronos einen in Windeln gewickelten Stein zum Verschlingen gibt. Themis, göttliches Recht und Ordnung, gebiert die Horen, die Jahreszeiten, und bei Hesiod die Schicksalsgöttinnen. Mnemosyne, das Gedächtnis, ist durch Zeus die Mutter der neun Musen. Tethys ist die Mutter der Flüsse und der Okeaniden. Leto, Tochter der Titanen Koios und Phoibe, ist die Mutter von Apollon und Artemis. Das Atelier fertigt Rhea als Göttinnenanhänger.
Die olympischen Göttinnen
Hera
Hesiod schreibt, Zeus habe Hera „zu seiner blühenden Gemahlin gemacht“ und sie habe Hebe, Ares und Eileithyia geboren. Sie ist die Königin der Götter und die Göttin der Ehe. Ihre Eifersucht auf die Geliebten des Zeus treibt viele Mythen voran. Ihre großen Tempel standen in Argos und auf Samos.
Athene
Hesiod zufolge gebar Zeus Athene „aus seinem eigenen Haupt“, nachdem er ihre Mutter Metis verschlungen hatte, deren Name kluge List bedeutet. Athene ist die Göttin der Weisheit, des Handwerks und der strategischen Kriegsführung sowie die Schutzgöttin Athens, wo der Parthenon für sie errichtet wurde. Die Eule ist ihr Vogel.
Artemis
Artemis ist die Tochter von Zeus und Leto und die Zwillingsschwester Apollons, eine Göttin der Jagd und der Wildnis, die sich dafür entschied, niemals zu heiraten. Entdecken Sie Artemis und ihre Skulptur.
Aphrodite
Aphrodite ist die Göttin der Liebe und des Begehrens. Der Homerische Hymnus an Aphrodite nennt drei Göttinnen, deren Herzen sie nicht beeinflussen kann: Athene, Artemis und Hestia. Entdecken Sie Aphrodite und ihre Skulptur.
Demeter und Persephone
Demeter, eine Tochter Rheas, ist die Göttin des Getreides und der Ernte. Der Homerische Hymnus an Demeter erzählt, wie ihre Tochter Persephone von Hades, dem Herrscher der Unterwelt, entführt wurde. In ihrer Trauer ließ Demeter die Erde nichts hervorbringen, bis Zeus der Rückkehr Persephones zustimmte. Weil Hades sie einen Granatapfelkern kosten ließ, muss Persephone ein Drittel jedes Jahres in der Unterwelt verbringen und die anderen beiden Drittel bei ihrer Mutter und den übrigen Göttern. Die Eleusinischen Mysterien ehrten Demeter und Persephone; der Hymnus erzählt, wie Demeter die Herrscher von Eleusis ihre Riten lehrte.
Im Hymnus hat Zeus Persephone bereits Hades gegeben, bevor Demeter erfährt, was geschehen ist. Hekate hört den Schrei der Tochter, sieht ihren Entführer aber nicht. Mit einer Fackel begegnet sie Demeter, und die beiden gehen zu Helios, der ihnen sagt, wer Persephone entführt und wer es erlaubt hat. Demeters Weigerung, die Feldfrüchte wachsen zu lassen, bedroht daraufhin sowohl das Überleben der Menschen als auch die Opfergaben, die die Sterblichen den Göttern darbringen.
Die Wiedervereinigung hebt die Trennung nicht einfach auf. Persephone kehrt zu ihrer Mutter zurück, doch ihre Zeit muss zwischen der Oberwelt und dem Reich der Unterwelt aufgeteilt werden. Am Ende stellt Demeter die Fruchtbarkeit der Felder wieder her und lehrt ihre Mysterien. Aus heutiger Sicht kann die Geschichte dazu anregen, über Trauer und Rückkehr nachzudenken; diese Deutung sollte von der Darstellung göttlicher Handlungen und Rituale im Hymnus selbst unterschieden werden.
Hestia
Hestia, das älteste Kind Rheas, ist die Göttin des Herdfeuers und des Hauses und die dritte Göttin, die Aphrodite nicht beeinflussen kann. Der Homerische Hymnus an Hestia besagt, dass kein Festmahl vollständig war, ohne ihr zuerst und zuletzt Wein als Trankopfer darzubringen.
Weitere griechische Göttinnen
Hekate
Hesiod preist Hekate ausführlich: Zeus ehrte sie vor allen anderen und gab ihr Anteil an Erde, Meer und Himmel. In späterer Zeit wurde sie zur Göttin der Wegkreuzungen, der Nacht und der Magie und wurde häufig in dreifacher Gestalt dargestellt. Im Homerischen Hymnus an Demeter hilft sie mit einer Fackel bei der Suche nach Persephone.
Selene und Eos
Selene ist der Mond und Eos die Morgenröte; sie sind die Schwestern des Helios, der Sonne. Selene liebte den Hirten Endymion, der für immer schläft. Eos, bei Homer „rosenfingrig“, erhebt sich jeden Morgen vom Rand der Welt. Das Atelier hat Eos als weißen Keramikkopf mit Rosen gestaltet.
Nike, Iris und Hebe
Nike ist der Sieg und wird häufig geflügelt dargestellt. Iris, der Regenbogen, überbringt die Botschaften der Götter. Hebe, Tochter von Zeus und Hera, ist die Jugend und die Mundschenkin der Götter.
Die Musen, die Schicksalsgöttinnen und die Chariten
Die neun Musen, Töchter von Zeus und Mnemosyne, inspirieren Dichtung, Musik und Wissen; Hesiod eröffnet seine Theogonie mit ihnen. Die drei Schicksalsgöttinnen, die Moiren, spinnen, bemessen und durchtrennen den Lebensfaden. Die drei Chariten, auch Grazien genannt, verkörpern Schönheit und Freude.
Diese Gruppen zeigen auch, wie Namen und Verwandtschaftsverhältnisse bei der Orientierung in der Dichtung helfen. Hesiod nennt die drei Schicksalsgöttinnen Klotho, Lachesis und Atropos. Seine drei Chariten sind Aglaia, Euphrosyne und Thalia, Töchter von Zeus und Eurynome. Die Musen nehmen gleich zu Beginn des Gedichts einen herausragenden Platz ein: Hesiod beginnt mit ihrem Gesang und Tanz auf dem Berg Helikon, bevor er sich der Geburt der Götter zuwendet. Ihre Gegenwart gibt der Genealogie einen dichterischen Rahmen statt der Form einer sachlichen Liste göttlicher Namen.
Nereiden und Alkyone
Die fünfzig Nereiden sind Meeresnymphen, Töchter des Nereus. Zu ihnen gehören Thetis, die Mutter des Achilleus, und Amphitrite, die Gemahlin Poseidons. Das Atelier hat eine Nereide mit Delfinen geschaffen. Ovid erzählt von Alkyone, die ihren Mann Keyx auf See verlor; die Götter verwandelten beide in Eisvögel, und die ruhigen halkyonischen Tage des Winters sind nach ihr benannt. Die Halcyon des Ateliers ist eine Büste mit Rosen und einem Vogel.
Medusa
Medusa ist in Ovids Erzählung die Gestalt mit Schlangenhaaren, doch Hesiod bezeichnet sie als sterbliche Gorgone und nicht als unsterbliche Göttin. Ovid erzählt später, dass Minerva, die römische Entsprechung Athenes, ihr Haar in Schlangen verwandelte.
Griechische Göttinnen nach Aufgabenbereichen
- Liebe und Schönheit: Aphrodite.
- Jagd und Wildnis: Artemis.
- Weisheit: Athene und vor ihr Metis.
- Mond: Selene; Artemis und Hekate wurden in späterer Zeit mit dem Mond in Verbindung gebracht.
- Natur und Erde: Gaia, Demeter und die Nymphen der Quellen, Bäume und Berge.
- Ehe: Hera.
- Unterwelt: Persephone.
- Magie und Wegkreuzungen: Hekate.
- Morgenröte: Eos.
Griechische und römische Namen
Griechische und römische Autoren setzten viele Göttinnen miteinander gleich: Hera mit Juno, Athene mit Minerva, Artemis mit Diana, Aphrodite mit Venus, Demeter mit Ceres, Hestia mit Vesta, Persephone mit Proserpina, Eos mit Aurora, Selene mit Luna und Gaia mit Terra oder Tellus. Solche Gleichsetzungen ermöglichten es, dass Geschichten und Bilder zwischen den Kulturen weitergegeben wurden, während die Göttinnen eigenständige religiöse Rollen behalten konnten, wie Venus in Rom.
Der minoische Kontext
Die minoischen Schlangenfiguren aus Kreta sind älter als das klassische Griechenland; ihre Deutung als Göttinnen ist weiterhin umstritten. Entdecken Sie die Schlangengöttin und die ihr gewidmete Skulptur.
Göttinnen in der griechischen Bildhauerei
Auch antike Statuen stellen diese Göttinnen dar. Die Aphrodite von Knidos des Praxiteles, geschaffen im 4. Jahrhundert v. Chr., war eine der ersten lebensgroßen Darstellungen des nackten weiblichen Körpers in der griechischen Kunst; das Original ist verloren, doch viele römische Kopien sind erhalten. Die Venus von Milo, eine Aphrodite aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., wurde 1820 auf Milos entdeckt und befindet sich seit 1821 im Louvre. Die Artemis von Versailles im Louvre ist eine römische Statue nach einem griechischen Vorbild, das unter Vorbehalt Leochares zugeschrieben wird.
Griechische Göttinnen aus Ton
Silvia Steiger hat monumentale Keramikskulpturen von Artemis und Aphrodite sowie eine Hommage an die minoische Schlangengöttin geschaffen, außerdem Skulpturen von Eos, einer Nereide und Halcyon. Aphrodite gibt es auch als kleine Keramikgöttin. Alle Göttinnen finden Sie in der Übersicht. Wenn Sie eine Göttin anspricht, die noch nicht darunter ist, ist eine Auftragsarbeit möglich.
Quellen
- Hesiod, Theogonie, übersetzt von H. G. Evelyn-White
- Die Homerischen Hymnen, übersetzt von H. G. Evelyn-White
- Apollodor, Bibliotheke, Buch 1
- Ovid, Metamorphosen, Buch 4
- The Met, Griechische Götter und religiöse Praktiken
- Getty Museum, Römische Venus
- Louvre, Venus von Milo
- Louvre, Artemis von Versailles
- Angaben zu den Skulpturen: Atelier RHEAsilvia

