Freya: Göttin der Liebe und des Krieges
25. Oktober 2026

Freyja heißt auf Altnordisch „die Herrin“; Freya ist eine moderne Form des Namens. In der Prosa-Edda des Snorri Sturluson ist sie die Tochter Njörds und die Schwester Freyrs, die berühmteste unter den Göttinnen. Sie liebt Liebeslieder, schreibt Snorri, und in Liebesdingen soll man sie anrufen. Die Ynglinga saga fügt hinzu, dass Freyja als Erste die Asen die Zauberkunst der Vanen lehrte, altnordisch seiðr.
Zugleich ist sie eine Göttin des Schlachtfelds. Ihr Wohnsitz heißt Fólkvangr, und wenn sie in den Kampf reitet, gehört ihr die Hälfte der Gefallenen, die andere Hälfte Odin. Sie fährt einen Wagen, den zwei Katzen ziehen. In Hyndluljóð reitet sie Hildisvíni, einen Eber mit goldenen Borsten, den Bellows in seinem Kommentar als verkleideten Óttar erklärt, und Loki leiht sich ihr Federgewand, um ins Land der Riesen zu fliegen. Ihr Mann Óðr zog in die Ferne, und Freyja weint um ihn: Ihre Tränen sind rotes Gold. Ihr gehört das Halsband Brísingamen. Als man sie dem Riesen Thrym zur Braut geben will, gerät sie so in Zorn, dass das Halsband zerspringt.
Freyjas Namen und die Suche nach Óðr
Freyjas viele Namen gehören bei Snorri zu ihrer Suche. In der Gylfaginning erklärt er, dass sie bei den Völkern, die sie auf der Suche nach Óðr besuchte, unterschiedliche Namen annahm. Er nennt Mardöll, Hörn, Gefn und Sýr sowie den Beinamen Vanadís. Namen, Bewegung und Abwesenheit sind in diesem Abschnitt eng verbunden. Dass darin eine Göttin mit vielen Zugängen erkennbar wird, ist eine heutige literarische Lesart. Der Text belegt damit nicht für jeden Namen einen eigenen historischen Kult.
Hnoss, Gersemi und Freyjas goldene Tränen
Auch über ihre Familie verbindet sich Freyja mit der Sprache des Kostbaren. Die Gylfaginning nennt ihre Tochter Hnoss und bringt deren Namen mit schönen, wertvollen Dingen zusammen. In der Ynglinga saga hat Freyja zwei Töchter, Hnoss und Gersemi; dort werden kostbare Schmuckstücke mit ihrer Schönheit erklärt. Das sind Worterklärungen der Texte, keine unabhängig gesicherte Sprachgeschichte. Neben Freyjas goldenen Tränen gelesen, verbinden sie Zuneigung, Verlust und das, was Menschen als wertvoll empfinden. Eine solche heutige Deutung reicht weiter als die Vorstellung einer bloßen Göttin des Reichtums.
Fólkvangr und Freyjas Anteil an den Toten
Freyjas Anteil an den Toten hat einen genauen Ort im Gedicht. Grímnismál führt Fólkvangr in einer Reihe göttlicher Wohnsitze an. Freyja bestimmt dort über die Sitze im Saal und wählt die Hälfte der Toten. Snorri nennt außerdem ihren Saal Sessrúmnir und beschreibt ihn als groß und schön. Nach welchen Kriterien einzelne Krieger dorthin gelangen, erklärt die Strophe nicht. Diese knappe Überlieferung setzt Grenzen: Ausführliche heutige Vorstellungen über die Aufnahme in Fólkvangr dürfen nicht als Einzelheiten dieses Gedichts ausgegeben werden.
Freyjas Verehrung in Gedicht und Saga
Im Hyndluljóð bekommt die Verehrung ein persönliches Gesicht. Freyja beschafft Óttar Wissen über seine Abstammung, das er für einen Erbstreit braucht. Sie berichtet, dass er ihr ein steinernes Heiligtum errichtet und es wiederholt mit Tierblut gerötet habe. Opfergabe und göttliche Unterstützung gehören innerhalb des Gedichts zusammen. Die Szene ist weder ein ausgegrabener Kultplatz noch eine Beschreibung von Riten, die überall in Skandinavien galten. Sie zeigt jedoch eine Beziehung zwischen Mensch und Göttin, die in einer bloßen Aufzählung ihrer Attribute leicht verloren geht.
Eine andere Form religiöser Erzählung bietet die Ynglinga saga. Kapitel XIII berichtet, dass Freyja die Opfer fortsetzte, nachdem die anderen Götter nicht mehr da waren. Die umgebenden Kapitel stellen die göttliche Familie in eine Geschichte schwedischer Herrscher, Todesfälle und Nachfolge. Dieser Zusammenhang unterscheidet die Passage von einem Augenzeugenbericht über einen Tempel. Saga und Gedicht lassen sich heute nebeneinander lesen: Hier bewahrt Freyja die Rituale, dort kümmert sie sich um das Anliegen eines einzelnen Verehrers. Dieser Vergleich ist eine redaktionelle Lesart der beiden Texte.
Die Skulptur Freya I
Freya I ist die weiße Gestalt mit den Spiralen. Nach Angaben der Künstlerin ist sie 180 Zentimeter hoch, in drei Teilen von Hand aufgebaut und dreimal gebrannt. Freya II, mit einer Katze auf der Schulter, ist eine eigene Skulptur.
Häufige Fragen
Woher stammt der Name Freya?
Aus dem Altnordischen: Freyja bedeutet „Herrin“. Der Name geht auf ein germanisches Wort *frawjōn zurück und ist mit althochdeutsch frouwa verwandt, von dem unser Wort „Frau“ kommt. Snorri Sturluson sah es umgekehrt: Er leitete den Titel frú für vornehme Frauen von ihrem Namen ab.
Welches Tier steht für Freya?
Vor allem die Katze: In der Prosa-Edda fährt Freyja einen Wagen, den zwei Katzen ziehen. In Hyndluljóð reitet sie außerdem Hildisvíni, einen Eber mit goldenen Borsten, den Bellows in seinem Kommentar als verkleideten Óttar erklärt, und in Snorris Edda leiht sich Loki ihr Falkengewand.
Wie heißen die Katzen der Freya?
In der Prosa-Edda haben sie keine Namen. Snorri Sturluson spricht nur von einem Wagen, den zwei Katzen ziehen.
Wer ist der Bruder der Göttin Freya?
Freyr. Beide sind Kinder des Njörd und stammen aus dem Geschlecht der Vanen. Snorri nennt Freyr den Gott, der über Regen, Sonnenschein und die Früchte der Erde herrscht.
Sind Freya I und Freya II dieselbe Skulptur?
Nein. Beide sind 180 cm hoch und in drei Teilen von Hand aufgebaut, doch es sind zwei eigene Werke. Freya I ist die weiße Gestalt mit den Spiralen, dreimal gebrannt. Freya II trägt eine Katze auf der Schulter und einen Strahlenkranz; sie wurde zweimal gebrannt.
In welcher Beziehung stehen Freya und Thor?
In Þrymskviða gehören beide zur selben Göttergemeinschaft. Thor und Loki wollen Freyja als Braut zu Thrym schicken, um Thors Hammer zurückzubekommen. Sie lehnt zornig ab. Das Gedicht stellt sie nicht als Thors Frau dar. Bei Snorri ist Sif seine Frau.
Was ist Fólkvangr?
In Grímnismál ist es Freyjas Wohnsitz. Dort wählt sie die Hälfte der Toten und bestimmt über die Sitze im Saal. Snorri nennt ihren Saal Sessrúmnir. Ein genaues Aufnahmesystem oder eine umfassende Beschreibung des Lebens dort liefern diese Stellen nicht.
Was ist über Opfer für Freyja überliefert?
Hyndluljóð erzählt von Óttars steinernem Heiligtum und Tierblutopfern. Die Ynglinga saga berichtet, dass Freyja die Opfer fortsetzte. Das sind Textzeugnisse über Vorstellungen von Verehrung, keine Anleitung für heutige Rituale und kein Beleg für einen überall gleichen historischen Kult.
Zur Skulptur: Freya I
Quellen
- Snorri Sturluson, Prosa-Edda: Gylfaginning und Skáldskaparmál, übers. R. B. Anderson, Ausgabe 1901 (Project Gutenberg, englisch)
- Snorri Sturluson, Ynglinga saga, Kapitel 4 und 13, übers. S. Laing (Wikisource, englisch)
- Lieder-Edda, Hyndluljóð, Strophe 7, übers. H. A. Bellows, 1923 (Wikisource, englisch)/Hyndluljoth)
- Lieder-Edda, Þrymskviða, Strophen 3–4 und 11–12, übers. H. A. Bellows, 1923 (Wikisource, englisch)/Thrymskvitha)
- Freyja: Name, Schreibweisen und Forschungsstand (Wikipedia, englisch)
- Angaben zur Skulptur: atelier RHEAsilvia
- Lieder-Edda, Grímnismál 14, übersetzt von Henry Adams Bellows, 1923: Fólkvangr und die Sitze der Toten/Grimnismol)