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Danu: Irische Göttin, Namen und Quellen

25. Oktober 2026

Keramikskulptur Danu von RHEAsilvia

Die Götter der mittelalterlichen irischen Sage heißen Tuatha Dé Danann, meist übersetzt als „das Volk der Göttin Danu“. Das Buch der Landnahmen (Lebor Gabála Érenn) erzählt, sie seien ohne Schiffe und Boote nach Irland gekommen, in dunklen Wolken durch die Luft, kraft ihrer Druidenkunst. Sie landeten auf einem Berg in Connacht und brachten drei Tage und drei Nächte lang Finsternis über die Sonne.

Wer ist Danu?

Eine Göttin namens Danu nennt allerdings kein mittelalterlicher Text. Die Form Danu ist, wie der Forschungsüberblick erklärt, eine moderne Rekonstruktion aus dem Genitiv Danann, und kein Mythos über sie ist erhalten. Die Texte kennen stattdessen verwandte Gestalten. Im Buch der Landnahmen heißt es, Dana sei die Mutter der Götter; an anderer Stelle wird der Name der Tuatha Dé Danann von Danann abgeleitet, einem Beinamen der Morrígan. Cormacs Glossar nennt Ana die Mutter der Götter Irlands, „mater deorum hibernensium“, und sagt, sie habe sie gut genährt. Die Ausgabe von 1868 verzeichnet die Form Anu in einer Fußnote von Stokes; O’Donovan bezeichnet die Zwei Brüste der Ana als Berge in der Grafschaft Kerry.

Danu und die Donau: Herkunft des Namens

Was der Name bedeutet, ist umstritten. Einige ältere Forscher verbanden ihn mit der vedischen Wassergöttin Danu und mit einer indogermanischen Wurzel für „laufen, fließen“, die möglicherweise auch in Danuvius steckt, dem antiken Namen der Donau. Andere führen ihn auf altirisch dán, „Kunstfertigkeit“, zurück oder, wie der Sprachwissenschaftler Eric Hamp, auf eine Wurzel für „gut“. Die Verbindung zur Donau ist also eine vorgeschlagene Herleitung und keine gesicherte Tatsache. Diese Zusammenfassung folgt dem unten genannten Forschungsüberblick.

Ana, Anu und die Mutter der Götter

Wer sich Danu nähert, sollte zwischen mittelalterlicher Namenserklärung und moderner Rekonstruktion unterscheiden. Besonders aufschlussreich ist Cormacs Glossar: In der englischen Übersetzung von 1868 steht im Eintrag zu Ana eine lateinische Bezeichnung als Göttermutter neben Aussagen über das Nähren und der Erklärung eines Ortsnamens. Das ist ein kurzer gelehrter Text, keine Szene, in der eine Göttin selbst spricht oder handelt. Er verbindet Mutterschaft mit dem Versorgen. Eine verlorene Lebensgeschichte Danus lässt sich daraus allein nicht gewinnen.

Derselbe Eintrag bringt Anas Namen mit Fülle in Verbindung. Das ist die Erklärung des Glossars; sie ersetzt die oben genannten, miteinander konkurrierenden sprachwissenschaftlichen Herleitungen nicht. Die gedruckte Ausgabe des 19. Jahrhunderts fügt eine weitere Ebene hinzu: O’Donovans Kommentar verortet die beiden Berge in Kerry, Stokes verzeichnet in einer Fußnote die Handschriftenform Anu. Wenn diese Stimmen auseinandergehalten werden, zeigt sich, wie aus einer knappen mittelalterlichen Notiz durch Edition und Deutung eine ausführlichere Darstellung wird. Der Landschaftsbezug gehört zum Eintrag Ana. Er belegt kein Heiligtum der rekonstruierten Danu.

Die Tuatha Dé Danann in irischen Quellen

Auch das Buch der Landnahmen erklärt den Namen des göttlichen Volkes auf unterschiedliche Weise. Eine Stelle nennt Brian, Iuchar und Iucharba als die drei Götter, mit denen die Benennung der Tuatha Dé Danann verbunden wird. Andere Passagen überliefern abweichende Mutternamen und Abstammungen. Diese Unterschiede gehören zum Quellenbestand. Man muss deshalb nicht jede Dana, Danann, Ana und Morrígan als zweifelsfrei identische Gestalt behandeln. Gerade die verschiedenen Versuche, einen überlieferten Namen zu erklären, machen die Texte für heutige Leserinnen und Leser interessant.

Die vier Schätze und die Ankunft in Irland

Eine weitere irische Erzählung, Cath Maige Tuired, gibt dem Volk hinter diesem Namen eine Welt konkreter Gegenstände. Am Anfang stehen ein Stein, ein Speer, ein Schwert und ein Kessel. Sie stammen aus vier Städten, in denen die Tuatha Dé ihre Künste erlernten. Der Stein von Fál erkennt Könige, der Kessel des Dagda speist die Menschen. Es sind Gegenstände des Volkes und bestimmter Figuren der Erzählung. Sie zu Danus persönlichem Besitz zu erklären, würde die Quelle verändern. Sie erhellen den Zusammenhang ihres erschlossenen Namens, ohne zu einer erfundenen Liste ihrer Symbole zu werden.

Cath Maige Tuired erklärt die scheinbare Ankunft in Wolken durch das Verbrennen von Schiffen: Rauch und Nebel aus den Schiffen erfüllen das umliegende Land und die Luft. Auch das Buch der Landnahmen überliefert eine Erklärung durch verbrannte Schiffe neben einer magischen Reise ohne Fahrzeuge. Die Alternativen stehen damit sowohl innerhalb dieser Sammlung als auch in verschiedenen Texten. Heutige Leserinnen und Leser können darin wechselnde Erklärungen erkennen, statt durch das Zusammenfügen sämtlicher Einzelheiten eine einzige verbindliche Erzählung herzustellen.

Häufige Fragen

Wer sind die Tuatha Dé Danann?

Das göttliche Volk der mittelalterlichen irischen Sage. Nach dem Buch der Landnahmen kamen sie kraft ihrer Druidenkunst in dunklen Wolken nach Irland. Derselbe Text sagt, sie hätten Wissen und Dichtkunst erlernt, und nennt ihren Schmied Goibniu und ihren Arzt Dian Cecht.

Wer ist die Göttin Danu?

Eine Göttin, die die Forschung aus dem Namen Tuatha Dé Danann erschließt, „das Volk der Göttin Danu“. Mittelalterliche irische Texte verwenden die Form Danu nicht. Sie sprechen von Danand oder Dana, der „Mutter der Götter“, und von Ana, der „Mutter der Götter Irlands“. Ein Mythos über Danu selbst ist nicht erhalten.

Ist Brigid eine keltische Göttin?

Das Glossar des Cormac nennt sie so: Brigit, die Tochter des Dagda, sei die Göttin, die die Dichter verehrten. Es nennt auch ihre Schwestern, Brigit die Ärztin und Brigit die Schmiedin, nach denen bei allen Iren eine Göttin Brigit genannt wurde.

Ist die Donau nach Danu benannt?

Das ist nicht gesichert. Eine vorgeschlagene gemeinsame sprachliche Wurzel belegt nicht, dass der Fluss nach der Göttin benannt wurde. Manche Forscher verbinden beide Namen mit einer indogermanischen Wurzel für „laufen, fließen“. Andere lehnen das ab und leiten den Namen Danu von anderen Wurzeln her.

Ist Danu die keltische Naturgöttin?

Die hier besprochenen Quellen belegen diesen Titel nicht. Anas Eintrag im Glossar handelt von Mutterschaft, Nahrung und einer benannten Landschaft. Daraus eine allgemeine Zuständigkeit als Naturgöttin abzuleiten, ist eine Deutung und nicht die Einordnung des Textes. Auch das Verhältnis zwischen Ana und der rekonstruierten Danu bleibt dabei offen.

Welche Symbole hat Danu in den irischen Texten?

Die untersuchten Stellen geben der rekonstruierten Danu keine eigenen Attribute. Cath Maige Tuired beschreibt die vier Schätze der Tuatha Dé, darunter den Kessel des Dagda, schreibt sie aber nicht Danu zu. Sie geben der Geschichte einen Zusammenhang, sollten jedoch nicht als belegte persönliche Symbole erscheinen.

Belegen die Zwei Brüste der Ana einen Tempel für Danu?

Cormacs Glossar erklärt einen Landschaftsnamen; O’Donovans Anmerkung benennt die Berge in Kerry. Keine der beiden Stellen beschreibt dort einen Tempel. Ein Ortsname, seine geografische Einordnung durch einen Herausgeber und ein archäologischer Nachweis von Verehrung sind verschiedene Arten von Belegen.

Zur Skulptur: Danu

Quellen