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Freya II: Katzen und Strahlenkranz

25. Oktober 2026

Keramikskulptur Freya II von RHEAsilvia

In der Prosa-Edda des Snorri Sturluson ist Freyja die berühmteste unter den Göttinnen, und wenn sie ausfährt, ziehen zwei Katzen ihren Wagen. In dieser künstlerischen Deutung erinnert die Katze auf der Schulter von Freya II an diese Katzen, die Begleiterinnen der Göttin.

Freya II ist 180 Zentimeter hoch, mit einer Katze auf der Schulter und einem Strahlenkranz.

Freyjas Katzen in der Prosa-Edda

Die Katze auf der Schulter rückt ein kleines Detail aus Snorris Beschreibung ins Zentrum. In der Gylfaginning ziehen zwei Katzen Freyjas Wagen, wenn sie ausfährt. Namen, Fellfarbe oder Rasse nennt der Text nicht. Diese Offenheit lässt einer heutigen Künstlerin viel Freiheit und setzt zugleich eine Grenze: Ein Tier kann an die Edda erinnern, ohne deren zoologisch genaue Rekonstruktion zu sein. Bei Freya II wird die Katze Teil einer nahen Begegnung mit der Göttin, statt eine ganze Fahrt zu illustrieren. Dieser Vergleich ist eine heutige redaktionelle Lesart des vorhandenen Motivs.

Die Katzen begegnen auch in der Erzählung von Baldrs Bestattung. Snorri unterscheidet die ankommenden Gottheiten anhand ihrer Fortbewegung: Freyr erscheint mit seinem Eberwagen, Heimdall mit seinem Pferd und Freyja mit ihren Katzen. Die Verbindung gehört damit auch zu einer feierlich ernsten Versammlung. Aus heutiger Sicht muss die Katze deshalb nicht bloß als freundliches Schmuckmotiv gelesen werden. Sie begleitet eine Göttin, die an der Trauer der Göttergemeinschaft teilnimmt. Eine besondere Funktion der Katzen im Bestattungsritual behauptet diese Passage allerdings nicht.

Katzen und Gleipnir in der nordischen Mythologie

An anderer Stelle der Gylfaginning liefert die Katze etwas Unmögliches für Gleipnir, das schmale Band zur Fesselung des Wolfs Fenrir. Zu seinen Bestandteilen gehören das Geräusch des Katzentritts, der Bart einer Frau und die Wurzeln eines Berges. Snorri erläutert den Witz durch das Fehlen dieser Dinge: Sein Zuhörer kann sie nirgends finden. Das ist eine eigene Geschichte, keine Erzählung über Freyjas Tiere. Ein heutiger Vergleich zeigt, wie die vertraute Katze gerade durch ihren kaum hörbaren Gang in einen außergewöhnlichen Mythos eingehen konnte. Eine historische Bedeutung der Schulterkatze von Freya II ergibt sich daraus nicht.

Freyjas Katzen und archäologische Belege

Ebenso wichtig ist der Unterschied zwischen einem literarischen Attribut und einer archäologischen Bestimmung. Snorri verbindet Freyja schriftlich und eindeutig mit Katzen. Daraus folgt nicht, dass jede alte weibliche Figur neben einem Tier sicher als Freyja erkannt werden kann. Bei dieser Skulptur gibt die Künstlerin den Namen bereits vor; eine solche Identifizierung ist daher nicht nötig. Betrachtende können bei der benannten Göttin und dem überlieferten Tiermotiv ansetzen und die offenen Einzelheiten des mittelalterlichen Textes offenlassen. Für diese Verbindung braucht es weder einen erfundenen Katzennamen noch ein verlorenes Ritual.

Freya II: Strahlenkranz und Sól

Der Strahlenkranz liegt auf einer anderen Bedeutungsebene. Er gehört zur vorhandenen, von der Künstlerin überlieferten Beschreibung von Freya II. Snorris Angaben über Freyjas Katzen und weitere Attribute schreiben einen solchen Kranz nicht vor. In einer heutigen redaktionellen Deutung können Strahlen für Leuchten, Gegenwart oder nach außen wirkende Kraft stehen. Das beschreibt eine mögliche Begegnung mit der Skulptur. Freyja wird dadurch nicht zur Sonnengöttin der Edda: Die Gylfaginning erzählt gesondert von Sól und ihrer Aufgabe, die Pferde der Sonne zu lenken.

Ein Vergleich mit einer anderen Überlieferung macht verständlich, weshalb Strahlen so leicht an Sonnenlicht denken lassen. Der Leitfaden des Peterborough Museum zu römischen Münzen beschreibt die Strahlenkrone als spitze Formen, die Sonnenstrahlen darstellen, und verbindet sie mit dem römischen Gott Sol. Der römische Sol und die nordische Sól gehören verschiedenen Traditionen an. Das römische Beispiel belegt keine Herkunft des Strahlenkranzes von Freya II; es dient allein dem Bildvergleich. Heutige Göttinnenkunst kann ein konkret überliefertes Tiermotiv und eine freier gedeutete Ausstrahlung zusammenbringen, ohne beide auf dieselbe mittelalterliche Beschreibung zurückzuführen.

Freyjas Katzen in späterer Kunst

Spätere Kunst zeigt, wie wandelbar das Katzenmotiv ist. Nils Blommérs Freja Seeking her Husband im Nationalmuseum, durch seine Inschrift auf 1852 datiert, zeigt das von zwei Katzen gezogene Gefährt. Das Museum verweist außerdem auf die madonnenhafte Gestaltung Freyjas. Hier ist ihre Rezeption im 19. Jahrhundert belegt, keine Bildkonvention der Wikingerzeit. Neben der Schulterkatze eröffnet das einen Vergleich künstlerischer Entscheidungen. Daraus lässt sich keine Behauptung ableiten, RHEAsilvia habe Blommér als Vorlage verwendet.

Häufige Fragen

Wie hoch ist Freya II?

180 cm, in drei Teilen aufgebaut.

Worin unterscheidet sich Freya II von Freya I?

Es sind zwei eigene Werke von gleicher Höhe, 180 cm. Freya II trägt eine Katze auf der Schulter und einen Strahlenkranz; sie wurde zweimal gebrannt. Freya I ist die weiße Gestalt mit den Spiralen, dreimal gebrannt.

Haben Freyjas Katzen in der Edda Namen?

In den hier verwendeten Stellen nicht. Die Gylfaginning erwähnt die beiden Zugtiere und nennt sie bei Baldrs Bestattung erneut, ohne ihnen Namen zu geben. Ein heutiger Name kann zu einer späteren Nacherzählung gehören, darf aber nicht als Aussage Snorris erscheinen.

Zur Skulptur: Freya II

Quellen